Anfangs scheint es einem unmöglich aus diesem Meer der Farben die richtige Hochzeitsfarbe herauszusuchen. Die einerseits nicht nur perfekt zur Location passen, sondern andererseits einem selbst auch noch gefallen und den eigenen Stil repräsentieren. Für diese Mammutaufgabe, habe ich mir wieder einen Experten an die Seite geholt:

Remo Gerisch, Art Director in einer renommierten Schweizer PR und Werbeagentur, hat bereits viele tolle Projekte für Firmen wie Coop, Nespresso oder auch der Ronald McDonald Kinderstiftung umgesetzt. Ob Papeterie wie Karten, Flyer und Broschüren oder für das Eventstyling. Tauchen wir also ein in das Farbenmeer…

Remo, wenn du an ein Projekt gehst, wie triffst du die richtige Farbwahl?

Um ein stimmiges Farbkonzept zu entwickeln überlege ich mir zuerst alle Eckpfeiler, die für die Farbzusammenstellung bedeutend sind. Macht euch mit den Rahmenbedingungen vertraut. Bei Hochzeiten sind dies u.a. die Location, die Jahreszeit oder auch die Art der Hochzeit.

Bei Events und Hochzeiten ist die Location ausschlaggebend für die Haupt- bzw. Hochzeitsfarbe, da sie dem Anlass den Rahmen verleiht. Wählt eure Hauptfarbe nicht aus, ohne überprüft zu haben, dass sie mit der Location funktioniert.

Worauf muss ich bei der Farbzusammenstellung achten? Wie kombiniere ich richtig?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Farben zusammenzustellen. Für mich gibt es zum Beispiel auch keine No-Go-Farben. Jeder hat ein anderes Bedürfnis. Dieses Bedürfnis abzudecken darauf kommt es an.

Bei der Zusammenstellung hilft ein Blick auf den Farbkreis. Nimmt man Farben, die im Farbkreis nah beieinanderliegen oder eine sehr ähnliche Farbintensität haben, wie Pastelltöne, ergibt sich ein harmonisches Bild. Wer es kräftiger mag, kombiniert die Farben komplementär (im Farbkreis gegenüberliegend) und erzeugt dadurch eine starke Wechselwirkung der Farben. Harmonische Farbschemas passen tendenziell eher in den Frühling und Herbst, während man im Sommer schon mal in den Farbtopf greifen darf.

Viele vergessen häufig bei ihrer Farbkomposition auf die Wirkung von Farben zu achten. Farben tragen immer eine Message: Gedämpfte Farben stehen für einen eher ruhigen Anlass, stärkere Farben haben eine stärkere anregende Wirkung und geben der «Party» den nötigen Groove.

Wie viele Farben kann ich miteinander kombinieren? 

Ich würde nicht mehr als maximal 5 Farben nehmen. Bei zu vielen Farben wird es schwierig, diese klar voneinander zu unterscheiden.

Wichtig beim Kombinieren ist das Setzen einer Basisfarbe. Dazu nimmt man ein bis zwei weitere Farben. Von diesen drei Farben nimmt man noch zwei unterschiedliche Intensitäten oder Schattierungen als Nebenfarben mit. Man trifft nicht immer denselben Farbton, daher hilft es mit Abwandlungen von Farben zu arbeiten.

Noch was Interessantes: Lasst euch nicht von dem Irrglauben leiten, dass die Basisfarbe gleich auch die Leitfarbe sein muss. Die Basisfarbe legt den einheitlichen Boden, mit der Leitfarbe verleiht man der Hochzeit den Charakter. Daher muss die Leitfarbe nicht immer allgegenwärtig sein, sie kann auch nur als Akzent eingesetzt werden – das wirkt stilvoller.

Deine Hot-Tips für Wedding-Color-Rookies?

o   Hört auf den Bauch – es kann die perfekte Farbe sein, nur ist es nicht eure!

o   Erstellt ein Mood-Bord, nehmt es mit in den Baumarkt und holt von euren finalen Farben die passenden Farbkarten in der Wandfarben-Abteilung im Baumarkt. Die könnt ihr dann überall hin mitnehmen und prüfen, ob andere Hochzeitutensilien, die ihr kauft, dazu passen.

o   Passt mit Mustern auf, diese sind sehr schwierig umsetzbar. Auf keinen Fall mehrere Muster einsetzen.

o   Wenn ihr unsicher seid, wählt fröhliche, freundliche und helle Farben.

Der Farbkreis